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Lexikon: Bäume richtig beschneiden

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Bäume schneiden ist notwendig, fügt den Bäumen aber Wunden zu. Damit diese möglichst rasch heilen und keine bleibenden Schäden hinterlassen, gilt es einiges zu beachten.
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Durch den Schnitt werden Wunden am Baum geschaffen. Um die positiven Auswirkungen des Schnittes nicht leichtfertig wieder zu verspielen, ist es wichtig, Säge oder Schere so einzusetzen, dass die entstandenen Wunden möglichst rasch wieder verheilen. Müssen Obstgehölze überhaupt geschnitten werden? Schließlich wachsen und fruchten die Bäume doch auch ohne Eingriffe. Seit vielen Jahrhunderten wissen erfahrene Gartenprofis jedoch, dass der regelmäßige Schnitt die wichtigste Maßnahme überhaupt ist, um dauerhaft qualitativ hochwertiges und gesundes Obst ernten zu können.

Durch den Auslichtungsschnitt gelangt Licht und Luft in die Baumkrone und das Strauchinnere. Durch viel Sonne sind Früchte schmackhafter. Das Blattwerk trocknet besser ab und Pilzkrankheiten wie z.B. Obstschorf oder Monilia-Fruchtfäule treten weniger stark auf. Abgetragenes Fruchtholz wird beseitigt und der Aufbau von neuem, qualitativ gutem Fruchtholz angeregt.

Richtig durchgeführte Schnittmaßnahmen tragen zudem dazu bei, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ernte und Pflegemaßnahmen werden durch den Schnitt entscheidend erleichtert. Richtig geschnittene Bäume sind stabiler und vitaler. Äste brechen bei Stürmen weniger schnell ab.

Wichtigste Maßnahme: Winterschnitt im März

Der Winterschnitt hat bei den meisten Obstgehölzen traditionell die größte Bedeutung. Im unbelaubten Zustand ist der Astaufbau am besten zu überblicken und Korrekturmaßnahmen lassen sich gut durchführen. Sie sollten nicht bei starkem Frost schneiden, da die Äste dann oftmals beim Schnitt wegbrechen. So entstehen unnötig große Verletzungen. Überdies können strenge Fröste frisch geschnittenen Bäumen empfindliche Schäden zufügen.

Der günstigste Zeitpunkt für den Winterschnitt liegt im März, kurz vor dem Austrieb. Dann sind Bäume und Sträucher in der Lage, die entstandenen Wunden bald zu überwallen und somit dauerhaft zu schließen.

Insbesondere bei Bäumen, die sehr stark wachsen, aber nur wenige Früchte tragen, hat sich ein Sommerschnitt bewährt. Hierbei werden vor allem die sogenannten „Wasserschosse“ entfernt, die das Bauminnere verdichten jedoch keine Früchte tragen.

Den Sommerschnitt sollten Sie nicht vor August ausführen, da die Gehölze sonst noch einmal austreiben. Dieser späte Neuaustrieb ist nicht erwünscht, da die Zweige nicht mehr ausreichend ausreifen können und stark frostgefährdet sind. Für den Kirschbaum, empfiehlt sich der Schnitt generell im Sommer kurz nach der Ernte. Schneidet man Kirschen im Winter oder im Frühjahr, bluten die Wunden stark aus.

Generell erfolgt der Schnitt während der Ruhephase der Pflanze. Dies ist normalerweise im Spätwinter der Fall, er sollte je nach Bedarf auch das ganze Jahr erfolgen.

Einige optimale Schneidezeiten:

  • Ahorn, Birke, Walnuss und Pappel: Herbst
  • Obstbäume: Spätwinter/Frühlingsanfang — nach der Ruhephase — vor der Blüte
  • Wildtriebe: Diese können jederzeit entfernt werden — je früher, desto besser
  • Abgestorbene oder kranke Äste: Diese können jederzeit entfernt werden — je früher, desto besser
  • Immergrüne Bäume: Spätwinter/Frühlingsanfang — bevor neue Triebe wachsen
  • Entfernen Sie zu tief hängende Zweige.
    Um kleine, neu gepflanzte Bäume brauchen Sie sich nicht zu kümmern, aber wenn sie wachsen, sollte es groß gewachsenen Personen möglich sein, unter ihnen zu gehen, ohne sich die Köpfe anzuschlagen. Dazu werden alle tief hängenden Äste bis auf das entsprechende Niveau abgeschnitten.

  • Schneiden Sie tief abgewinkelte Äste mit schwachen Verbindungen ab.
    Große Zweige mit angebrochener oder auf andere Weise schwacher Verbindung zum Stamm oder zu einem anderen starken Ast sollten abgeschnitten werden, damit sie nicht abbrechen (und dabei ein großes Stück Borke abreißen), wenn es einen Sturm gibt.

  • Entfernen Sie zu dicht wachsende Äste.
    Oft wachsen Äste dicht übereinander und obere Äste nehmen den unteren das Licht weg. Entfernen Sie die untersten, herabhängenden und vergreisten Äste komplett, die oberen bleiben erhalten. Gibt es in einem Baum zwei Mitteltriebe, entfernen Sie einen. Wenn zwei Hauptäste in dieselbe Richtung wachsen, schneiden Sie einen der Äste weg. Häufig wird der Fehler gemacht, einzelne Äste nach dem Prinzip des Heckenschnitts nur teilweise zu entfernen. Dies führt meist zu einem starken Austrieb von steil nach oben wachsenden Trieben (Wasserschossen), die keine Früchte bringen.

  • Entfernen Sie beschädigte oder abgestorbene Äste.
    Schneiden Sie abgestorbenes Holz mit einer Ast- oder Baumschere heraus — irgendwann fällt es ohnehin ab, und es lockt nur Insekten in den Baum. Schneiden Sie auch gebrochene oder anderweitig beschädigte Äste ab. Auch sie ziehen Insekten und Erkrankungen an. Alle Schnitte sollten gerade und nicht unregelmäßig sein. Lassen Sie keine Stummel stehen, sondern schneiden Sie auf einer Ebene mit dem Stamm oder dem größeren Ast.

  • Entfernen Sie Sekundärstämme.
    Laubbäume sollten einen kräftigen Hauptstamm entwickeln. Manchmal wächst auch senkrecht ein großer Ast, der zum Hauptstamm in Konkurrenz tritt. Dieser sollte entfernt werden, damit die Gesamtform ansprechend bleibt. Außerdem neigt ein solcher Spross, wenn er zu einem großen Ast gewachsen ist, dazu, bei Eis oder starkem Wind abzubrechen, was den Baum teilen kann.

  • Beschneiden Sie auch Schösslinge und Wildtriebe.
    Dies sind schmale, fast unkrautartige Gewächse, die den gesamten Baum beeinträchtigen, wenn sie nicht behandelt werden. Schösslinge wachsen am Fuß des Baums oder aus den flachen größeren Wurzeln. Wildtriebe wachsen senkrecht an Ästen oder auch aus dem Hauptstamm. Beide wachsen sehr schnell, und es kann nötig sein, sie innerhalb einer Saison bis zu vier Mal zu entfernen. Je größer Sie sie wachsen lassen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie wieder auftreten.

Die richtige Schnittführung

Da Bäume unmittelbar am Stamm beziehungsweise Hauptast Gewebeschichten (Kambiumgewebe) haben, die für eine natürliche Wundheilung sorgen, müssen Zweige stets in unmittelbarer Nähe vom jeweiligen Hauptast entfernt werden. Um die Wunden nicht unnötig zu vergrößern, sollten Sie lediglich die an der Astansatzstelle befindliche, einige Millimeter breite „Wulst“ (Astring), stehenlassen. Keinesfalls dürfen Aststummel („Kleiderhaken“) am Baum stehenbleiben.

Schneiden Sie beim Entfernen größerer Äste den Ast in Teilstücke ab, wobei Sie am äußeren Ende beginnen. Es sollte ein Stumpf von etwa 30 bis 60 Zentimeter Länge bleiben. Schneiden Sie dann den unteren Teil weg, um dafür zu sorgen, dass die Borke nicht abreißt, wenn der Ast fällt. Führen Sie den Schnitt leicht schräg nach außen entlang dem natürlichen Rand an der Ausgangsstelle des Astes. Dadurch kann die Schnittöffnung besser wieder zuwachsen. Sägen Sie dann von oben nach unten. Schneiden Sie erneut in einem leichten Winkel nach außen entlang der Astkrone.

Baumwunden verschließen

Schnittwunden von mehr als zwei Zentimeter Durchmesser versorgen Sie am besten fachgerecht zum Beispiel mit Malusan Wundverschluss. Hierdurch wird die Schnittstelle solange geschützt, bis der Baum die Wunde überwallt hat und Sie verhindern wirksam, dass Krankheitserreger in die Wunde eindringen. Das Mittel wird sofort nach dem Schnitt vollflächig aufgetragen. Wichtig ist, dass Sie das Wundverschlussmittel stets ein bis zwei Zentimeter über den Wundrand hinaus streichen. Dies bewahrt das im Außenbereich der Wunde befindliche Kambiumgewebe wirkungsvoll vor Austrocknung.

Diese Ziergehölze benötigen gar keinen Schnitt oder höchstens einen sparsamen Auslichtungsschnitt von zu dicht stehenden Zweigen: Zaubernuss, Magnolie, Rhododendron, Fächerahorn, Schneeball-Arten, Immergrüne Gehölze, Nadelgehölze.

Andere sollten Sie alle 2-3 Jahre auslichten, wenn nur noch die oberen Bereiche blühen und untere vergreist sind. Dazu entfernen Sie von der Basis der Sträucher her einige alte Äste. So gelangt Licht und Luft in das Strauchinnere und der Neuaustrieb von jungen, blühwilligen Ästen wird gefördert.

Entstandene Wunden im Bodenbereich sollten Sie mit Malusan Wundverschluss schützen. Denn durch die höhere Luftfeuchte ist die Gefahr des Befalls durch Holz zerstörende Pilze sehr groß.

 

Für den Schnittzeitpunkt gilt:

  • Im Sommer blühende Büsche und Sträucher: Spätwinter/Frühlingsanfang
  • Im Frühling blühende Büsche und Sträucher nach der Blüte: Herbst, Spätfrühling/Frühsommer

 

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Hans Walter Riess, Paul Späth (Bearbeiter), Obstbaumschnitt in Bildern, Kernobst - Steinobst - Beerensträucher (Untertitel auf dem Innentitel), 6. Auflage 1982, Reihe: Arbeitshefte für die Gartenpraxis Bd. 5

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